Reden anlässlich des Gedenkens an Hiroshima und Nagasaki

Am 8. August versammelten sich über 30 Menschen in Schwäbisch Gmünd zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe. Mit Reden, Musik und einem großen Peacezeichen aus Kranichen. Wir dokumentieren die Rede von Silvia Bopp, Vorsitzende der Friedenswerkstatt:
„Heute gedenken wir Hiroshima und Nagasaki
Am 6. und 9. August vor 81 Jahren verloren diese Städte binnen eines Augenblicks alles Lebendige. Nie gesehenes Leid erfüllte den Raum.
Wir erinnern an die Menschen, die verbrannten, verdursteten, zerfetzt wurden, an der Druckwelle starben oder später an der unsichtbaren radioaktiven Strahlung erkrankten. Bis heute leiden radioaktiv kontaminierte Menschen, Tiere und Pflanzen an diesen zwei Bomben. Kinder werden noch immer mit erhöhter Strahlenbelastung geboren. Zwei Bomben. Das US-amerikanischen Militär nannte die Uranbombe, die Hiroshima auslöschte, Little Boy. Die Plutoniumbombe, die Nagasaki nur 3 Tage später heimsuchte nannten sie Fat man.
Diese zwei Bomben töten noch heute. Sie machen noch immer krank.
Wir erinnern an Kinder, an Mütter, an Alte, an Menschen, die morgens noch auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule waren – und wenige Augenblicke später in einer Welt aus Feuer, Staub, Schreien und schwarzem Regen umherirrten.
Hiroshima lag in Schutt und in heißer, tödlicher Asche. Menschen, die noch lebten, irrten durch die Überreste der Stadt mit unvorstellbaren Verletzungen, zutiefst traumatisiert. Sie wussten nicht, was genau geschehen war. Sie suchten ihre Liebsten. Manche fanden noch jemanden. Viele fanden niemanden mehr. Schatten hatten sich in Straßen und Mauern eingebrannt – Spuren von Szenen, in denen eben noch Leben gewesen war.
Um 8 Uhr 15 fiel die erste Atombombe auf die bewohnte Stadt Hiroshima. Ein Lichtblitz – und binnen Sekunden war alles Bekannte zerstört. Die Hitzewelle war so gewaltig, dass Menschen verbrannten, Wasser untrinkbar wurde und selbst Materialien, die für Hilfe und Heilung gebraucht worden wären, in kürzester Zeit vernichtet waren. Wälder und Bäume entzündeten sich noch kilometerweit vom Detonationsort entfernt.
Dann kam die Druckwelle. Sie schleuderte Menschen, Tiere, Gebäude und Gegenstände durch den Raum und fachte die Brände weiter an.
Und dann kam der dritte Tod: die radioaktive Strahlung. Unsichtbar. Fremd. Unbegreiflich. Der schwarze Regen fiel vom Himmel, und die Menschen wussten nicht, dass auch er Krankheit und Tod brachte. Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte später litten die Überlebenden noch an den Folgen. Auch ihre Kinder trugen die Last dieser Strahlung mit.
Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenabwürfe, haben uns davon berichtet. Und wer einem Hibakusha zuhört, spürt: Diese Zeugnisse sind nicht nur historische Erinnerungen. Sie sind eine Warnung an die Gegenwart und ein Auftrag an die Zukunft.
Die Menschen, denen ich selbst begegnen durfte, waren trotz ihres Leids nicht verbittert. Sie waren nicht schwach. Sie waren voller Liebe zum Leben und voller Klarheit. Ihre Botschaft war einfach und existenziell: Nie wieder. Keine Atomwaffen mehr.
Diese Botschaft ist heute nicht weniger dringend als damals. Sie ist dringender.
Denn wir leben in einer Zeit, in der die nukleare Gefahr wieder wächst. Weltweit werden Atomwaffenarsenale modernisiert und aufgerüstet; zugleich gewinnen in Europa nukleare Abschreckung und militärische Machtpolitik massiv an Gewicht. Aufrüstung wird mit allen Mitteln und Hochdruck vorangetrieben. Unsere wichtigen Ressourcen die wir für das Leben, die Bildung die Gesundheit den Umgang mit der Klimatransformation dringend brauchen werden in Waffen gesteckt. Europa und Deutschland haben sich tief verstrickt in die Logik des atomaren militärindustruiellen Komplex. Wir wissen der Einsatz von Atomwaffen ist der Beginn der Auslöschung des Lebens auf der Erde. Wir versachlichen trotzdem Atomwaffen in Militärdoktrinen und Sicherheitsdebatten. Wir sind süchtig nach der Macht die von diesen Waffen ausgeht und trotzdem machen sie uns ohnmächtig.
Wir leben zugleich in einer Zeit der Klimakatastrophe. Dürren, Feuer, Überschwemmungen, und Ernährungsunsicherheit verschärfen Konflikte und Instabilität.
Wer heute auf eine Welt der Angst mit noch mehr Waffen antwortet, verkennt, dass Sicherheit nicht gegen das Leben aufgebaut werden kann. Eine Weltgemeinschaft, die zugleich die Erhitzung des Planeten und die Möglichkeit atomarer Vernichtung in Kauf nimmt, setzt ihre Zukunft doppelt aufs Spiel.
Und wir leben in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer tiefer in militärische Systeme eindringt. KI kann Entscheidungen beschleunigen, Warnungen filtern, Zielerfassung verbessern und Eskalationen verdichten. Gerade im nuklearen Bereich ist das brandgefährlich. Wo Maschinen Handlungsgeschwindigkeit erhöhen, sinkt die Zeit für menschliches Nachdenken, für Zweifel, für Deeskalation. Mehr Tempo ist nicht mehr Sicherheit. Im atomaren Zeitalter kann mehr Automatisierung das Risiko eines katastrophalen Fehlers erhöhen.
Wenn wir heute Hiroshima und Nagasaki gedenken, dann dürfen wir deshalb nicht nur auf die Explosionen selbst schauen. Wir müssen auch auf die langen Schatten der atomaren Gewalt blicken.
Diese Schatten reichen bis zu den Orten des Uranabbaus.
Bevor eine Atombombe gebaut wird, bevor ein Reaktor betrieben wird, bevor ein nukleares System aufgerüstet wird, beginnt die Geschichte oft in den Abbaugebieten von Uran. Dort werden Landschaften zerstört, Wasser verseucht und Menschen krank gemacht. Besonders indigene Gemeinschaften und ländliche Regionen tragen die Last dieser Industrie – oft ohne Schutz, ohne Mitsprache und ohne Gerechtigkeit. Die Opfer des Uranabbaus gehören in unsere Erinnerung mit hinein. Sie sind Teil derselben tödlichen atomaren Geschichte.
Atomwaffen sind nicht nur im Moment ihrer Explosion unmenschlich. Sie sind es entlang ihrer ganzen Kette: vom Uranabbau über die Produktion und Stationierung bis zur Drohung mit ihrem Einsatz und zum Atommüll, der Zeiten überdauert, die kein Mensch mehr verantworten kann.
Und doch stehen wir nicht nur vor Angst. Wir stehen auch vor Hoffnung.
Hoffnung ist nicht Naivität. Hoffnung ist Entscheidung.
Hoffnung heißt: Wir akzeptieren nicht, dass nukleare Aufrüstung alternativlos sei. Hoffnung heißt: Wir lassen uns nicht daran gewöhnen, dass Massenvernichtungswaffen wieder als normale Sicherheitsinstrumente dargestellt werden. Hoffnung heißt: Wir glauben daran, dass politische Entscheidungen von Menschen getroffen werden – und von Menschen verändert werden können.
Wie kann nukleare Aufrüstung gestoppt werden?
Sie kann gestoppt werden, wenn Regierungen wieder den Mut finden, Rüstungskontrolle und Abrüstung nicht als Schwäche, sondern als Vernunft zu begreifen. Sie kann gestoppt werden, wenn Europa nicht weiter in die Logik hineingleitet, dass Sicherheit nur durch immer mehr Abschreckung entstehe. Sie kann gestoppt werden, wenn Transparenz, Vertrauensbildung, neue Verhandlungen und verbindliche internationale Regeln wieder Priorität bekommen. Sie kann gestoppt werden, wenn die Stimme der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft, der Kirchen, der Städte und der Überlebenden hörbar bleibt. Und sie kann gestoppt werden, wenn wir der Versuchung widerstehen, Entscheidungen über Leben und Tod an automatisierte Systeme auszulagern.
Wir brauchen:
- neue Schritte der atomaren Abrüstung,
- politische Ächtung und Delegitimierung von Atomwaffen,
- Schutz und Entschädigung für die Opfer von Atomtests, Uranabbau und Strahlung,
- internationale Regeln gegen die Verknüpfung von KI und nuklearen Entscheidungssystemen,
- und massive Investitionen nicht in Vernichtungsfähigkeit, sondern in Klimaschutz, zivile Sicherheit, Gesundheit, Diplomatie und gerechte Entwicklung.
Das ist keine Utopie. Es ist Realismus im Angesicht der Gefahr.
Denn der wahre Gegensatz ist nicht der zwischen Stärke und Schwäche. Der wahre Gegensatz ist der zwischen einer Politik der organisierten Bedrohung und einer Politik der gemeinsamen Zukunft.
Die Hibakusha haben uns gezeigt, was Menschlichkeit selbst nach der Hölle bedeuten kann. Sie haben nicht nur vom Sterben gesprochen, sondern vom Weiterleben. Nicht nur von Zerstörung, sondern von Verantwortung. Nicht nur von Schmerz, sondern von Würde.
Für viele Menschen in Hiroshima wurde das erste neue Grün, das nach der Vernichtung wieder sichtbar wurde, zu einem Zeichen des Wunders. Leben kehrte zurück. Zerbrechlich, aber wirklich.
Dieses Wunder verpflichtet uns.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist kein abstrakter Satz. Er gilt in Hiroshima. Er gilt in Nagasaki. Er gilt für die Kinder von heute. Er gilt für die Opfer des Uranabbaus. Er gilt für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt. Er gilt auch für die kommenden Generationen, die ein Recht auf einen bewohnbaren Planeten und auf ein Leben ohne atomare Bedrohung haben.
Lassen Sie uns deshalb nicht nur erinnern. Lassen Sie uns handeln.
Lassen Sie uns der nuklearen Aufrüstung widersprechen. Lassen Sie uns die Gefahren einer enthemmten KI klar benennen. Lassen Sie uns die Klimakatastrophe als Friedensfrage begreifen. Lassen Sie uns an der Seite der Hibakusha und aller Opfer der atomaren Kette stehen.
Und lassen Sie uns daran festhalten: Was Menschen geschaffen haben, können Menschen auch beenden.
Atomwaffen sind kein Schicksal. Sie sind eine Entscheidung. Und sie können abgeschafft werden.
Die Hibakusha haben uns nicht nur eine Warnung hinterlassen. Sie haben uns einen Auftrag hinterlassen.
Nicht zu schweigen.
Nicht zu resignieren.
Nicht hinzunehmen, dass die Menschheit weiter mit ihrer eigenen Vernichtung spielt.
Ich danke Ihnen das Sie heute hier zu dieser Mahnwache gekommen sind. Informieren sie sich gerne an den Infotischen noch zum Thema. Vielleicht möchten sie selbst in unseren zwei Friedensgruppen von Mutlangen aktiv werden und durch aktive Friedensarbeit spüren, dass eine Gruppe sie stärkt und der Ohnmacht etwas sehr Wertvolles entgegenzusetzen hat.
Das hier geht jeden der heute auf dieser Erde lebt etwas an. Lassen wir uns nicht durch unsre Masken gesellschaftlicher Rollen erdrücken, sondern menschlich und aktiv gewaltfrei für den Frieden handeln.“

Zwei Tage zuvor beteiligte sich Vorstandsmitglied Helmut Zehender mit einer Rede an der Gedenkveranstaltung in Stuttgart mit gut 100 Teilnehmenden. Wir dokumentieren auch seine Rede:
„Mein Name ist Helmut Zehender, ich bin Orthopäde im Ruhestand. Seit 2020 bin ich Mitglied in der Friedenswerkstatt Mutlangen e.V. und seit 2022 Mitglied in der IPPNW: Internationale Ärzt*innen für die Verhütung eines Atomkrieges / Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.
Heute am Gedenktag des ersten Atombombenabwurfs der Geschichte über Hiroshima soll mit diesem Beitrag auf die ungeheure Gefahr eines Atomschlags hingewiesen werden.
In der Vergangenheit wurde gesagt, das „Gleichgewicht des Schreckens“ bewahre den Frieden. Jetzt wird – unter der Drohung, gegebenenfalls auch Nuklearwaffen einzusetzen – ein furchtbarer konventioneller Krieg in der Ukraine festgeschrieben.
Wir wissen: der Einsatz von Nuklearwaffen führt zur Zerstörung von unvorstellbarem Ausmaß – bis hin zur Auslöschung der gesamten Menschheit.
Wir wissen: Nuklearwaffen wirken bei ihrer Anwendung in dreifacher Weise, Durch Wärmestrahlung, durch Druckwellen und durch radioaktive Strahlung – auch weit entfernt vom Ursprungsort.
Die Wärmestrahlung bei der Explosion beträgt im Bereich des Atomdomes 3.000 – 4.000°C. Eisen schmilzt bei ca. 1.500°C, Glas bei ca. 1.600°C. Durch die hohe Temperatur der Wärmestrahlen werden menschliche Körper, Kleidungsstücke und sogar ganze Häuser fast vollständig verbrannt. Es gibt Feststellungen, wonach die Körper einzelner Atombombenopfer, die sich im Hypozentrum aufhielten, restlos verdampft sind.
Die Explosion löst eine ungeheure Druckwelle aus. Diese Stoßwelle von 100.000 bar breitet sich rasend schnell konzentrisch in alle Richtungen aus. Menschen werden weggeblasen, die Haut wird abgeschält, innere Organe zerplatzen. Hinzu kommen die Verletzungen durch umherfliegende Gebäudeteile, über zig Kilometer vom Zentrum entfernt.
Sofort verbreitet sich eine sehr hohe radioaktive Strahlung, die nur von Nuklearwaffen ausgeht. Im Umkreis von 100 – 200 m vom Explosionszentrum entfernt beträgt diese Strahlung das 17.000-fache der natürlichen Strahlung; im Umkreis von 2 km das 4.000-fache. Die hohe Strahlungsdosis tötet Zellen, schädigt Organe und führt zu einem raschen Tod.
Nach der Explosion kommt es zu einem radioaktiven Fall-out, einem Niederschlag von hoch radioaktiven Teilchen. Diese niedrigere Strahlungsintensität schädigt die Zellen, führt zu Erbgutveränderungen und Mutationen und löst bösartige Neuerkrankungen aus wie Leukämie und Schilddrüsen-, Lungen- und Brustkrebserkrankungen.
Erhöhte Leukämieraten traten bei strahlenexponierten Kindern erstmals 5 Jahre nach der Strahlenexposition auf. Bei der Gesamtbevölkerung stieg die Zahl der bösartigen soliden Tumoren nach 10 Jahren an; das Risiko einer Neuerkrankung bleibt lebenslang erhöht.
Bei den Atombombenabwürfen über Hiroshima am 06.08.1945 und Nagasaki am 09.08.1945 starben ca. 100.000 Menschen sofort. Bis Ende 1945 wurden weitere 130.000 Tote verzeichnet (Wikipedia).
Das ist die eine Seite, die allgemeine naturwissenschaftliche Aufarbeitung der bekannten Wirkung der Nuklearwaffe.
Zur individuellen persönlichen Erfahrung sei auf den Bericht eines Augenzeugen, Herrn Akihiro Takahashi verwiesen. Er erlebte und überlebte als 14-jähriger in Hiroshima in unmittelbare Nähe den Atombombenabwurf. Er hat dies in seinem Bericht: „Hiroshima mahnt….“ eindrücklich veröffentlicht. Ich habe Ihnen diesen Bericht mitgebracht, der an unserem Informationsstand für Sie bereitliegt
Während meines Medizinstudiums erschien 1983 eine Studie, die mich seither immer wieder beschäftigte. Die wissenschaftliche Untersuchung gibt Auskunft darüber, welche konkreten Auswirkungen ein Atombombenabwurf über der Stadt Ulm haben könnte. Diese Untersuchung wurde als Taschenbuch: „Tausend Grad Celsius. Das Ulm – Szenario für einen Atomkrieg“ veröffentlicht. Autor war die Ulmer Ärzteinitiative, bestehend aus Allgemeinmedizinern, einem Augenarzt und einem Facharzt für Verbrennungen und Strahlenkunde. Das Ulmer Szenario beschreibt darin verschiedene Teilaspekte der Auswirkung eines Atombombenabwurfs.
Dieses „Ulm – Szenario“ habe ich auf die örtlichen Gegebenheiten und auf die Einwohner von Stuttgart und Umgebung übertragen und „Stuttgart – Szenario“ genannt.
Was würde geschehen, wenn über dem Zentrum von Stuttgart eine Atombombe gezündet würde? Wer besäße eine reelle Überlebenschance? Mit welchen Verletzungen wäre bei der Zivilbevölkerung, also bei uns, zu rechnen? Würden die Krankenhäuser in der Lage sein, wenigstens die Schwerverletzten zu versorgen? Was wäre mit der Infrastruktur, mit Straßen, Transportmitteln und der Lebensmittelversorgung der Überlebenden?
Warum Stuttgart, werden Sie fragen.
Stuttgart ist das Zentrum einer der reichsten Bundesländer mit der Zentrale großen Firmen: Mercedes Benz, Porsche, Bosch und anderen, die teilweise in der Rüstung tätig sind. Und in Stuttgart befinden sich 20.000 – 28.000 US-Militärangehörige, unter Anderem im EUCOM (Hauptquartier des europäischen US-Kommandos) und im AFRICOM (Hauptquartier des US-Afrikakommandos).
Das Stuttgarter Szenario
Eine Atombombe von 1 Mt, das entspricht 1 Million Tonnen TNT, wird über dem Schloßplatz von Stuttgart gezündet.
Alles im Umkreis von 1,5 km verglüht. Selbst die Oberflächen von Steinen schmelzen. Dort, wo der Königsbau stand, zeigt sich ein tiefer Krater.
Dieser gesamte Innenstadtbereich, der vom Bebelplatz bis zum Neckartor und vom Marienplatz bis zum Bürgerhospital reicht, existiert nicht mehr. Es gibt hier keine Überlebenden.
Im Umkreis von 4 km fallen alle Gebäude in sich zusammen: von Mitte Botnang bis zur MLP-Arena und von Degerloch bis zum Pragsattel. Alle Einwohner in diesem Bereich werden sofort getötet. Und diejenigen, die sich vielleicht in Bunkern aufhalten, versterben in kurzer Zeit durch den Sauerstoffmangel infolge des Feuersturmes und der Brände.
Im Bereich zwischen 4 km bis 7 km um das Explosionszentrum werden immer noch 50% der Menschen sofort getötet und weitere 40% schwerstens verletzt. Dieser Bereich reicht vom Schloß Solitude bis Untertürkheim und von Möhringen bis Zuffenhausen. Die Hälfte aller Häuser in diesem Bereich wird durch die Druckwelle zerstört.
Zeitlich versetzt würden durch den radioaktiven Fall-Out bei Südwestwind von Stuttgart bis Baden-Baden niemand überleben, darüber hinaus würden bis Kaiserslautern 50% der Bewohner getötet werden.
Eine Evakuierung der Bevölkerung ist zeitlich und räumlich nicht durchführbar.
Bei den Überlebenden sind schwere Strahlenschäden und schwere Verbrennungen zu behandeln: dazu ist eine ganz intensive und langwierige Therapie notwendig. Im Großraum Stuttgart selbst gibt es dann jedoch keine Kliniken mehr. Abgesehen davon gibt es in der Kernzone von Stuttgart keine Überlebenden. In den weitläufigen Randzonen wird jedoch eine so große Anzahl von Behandlungsbedürftigen erwartet, dass deren Klinikversorgung unmöglich sein wird. Zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 12-16 kto, also 1/62 der 1Mto-Bombe – damals hätten alle verfügbaren Klinikbetten der Welt nicht ausgereicht, die anfallenden Verletzten zu behandeln.
Wege, Strassen und Brücken sowie Eisenbahnstrecken sind zerstört, so dass das Zentrum und die schwer getroffenen peripheren Gebiete nicht erreicht werden können. Lebensmittel können nicht geliefert werden, noch vorhandene und schwer verletzte Überlebende können nicht transportiert werden. Die Infrastruktur ist vollständig zusammengebrochen.
Langfristig führt die Verbreitung der radioaktiven Partikel durch Wind und Wolken zu einer Schädigung auch weit entfernter Gebiete – an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sei erinnert.
Wer glaubt, einen Atomschlag unbeschadet überstehen zu können, macht sich gefährliche Illusionen. Der Wahnsinn, der in der atomaren Bewaffnung und in jeder nuklearen Aufrüstung liegt, wird in der notwendigen Klarheit sichtbar.
Wir als Ärzte müssen sagen: Wir werden euch nicht helfen können.
Die einzig sinnvolle Verhütung eines Atomkrieges liegt daher in der weltweiten Abschaffung der Atomwaffen und für uns in Deutschland den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag.
Vielen Dank“

Fotos: Dr. Helmut Zehender
Ebenso am 6. August war Teammitglied Roland Blach zu einer Rede in Mosbach eingeladen. Mit Rad und Bahn angereist kamen gut 20 Personen. Hier findet Ihr seine Rede: https://pressehuette.de/wp-content/uploads/2026/08/Rede-Roland-Blach-Mosbach-2026.pdf