Pressehütte Mutlangen

Die falschen Verdächtigen festgenommen

Der Aktivist John LaForge und seine Mitstreiter haben zu Beginn der Konferenz zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV) in New York einen Eingang der US-Botschaft blockiert und wurden von der Polizei festgenommen. Am 24. Juni wird LaForge vor Gericht Klage gegen die US-Regierung erheben

Von Julia Berghofer

Foto: Felton Davis

An der First Avenue, direkt hinter dem Dag Hammarskjold-Platz, erhebt sich würdevoll das Hauptquartier der Vereinten Nationen, ein schlichter silberner Bau, eingerahmt von den Flaggen der Mitgliedsstaaten. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Ständigen Vertretungen der einzelnen Länder: Das German House, die Botschaften der Türkei, Kuwaits und Malaysias.  Genau gegenüber dem Haupteingang zu den Vereinten Nationen haben die Amerikaner ihre Mission. Am 28. April in der Früh, kurz nach dem offiziellen Beginn der NVV-Überprüfungskonferenz, haben sich John LaForge und 21 weitere Aktivisten vor einen Zugang zu dem imposanten US-Gebäude gesetzt und verhindert, dass Menschen hinaus- oder hinein konnten. Kurz darauf wurden die Blockierer festgenommen.

John La Forge ist Mitglied der Nichtregierungsorganisation Nukewatch aus Wisconsin. In einem Artikel, den er verfasste, nachdem ihn die New Yorker Polizei in Handschellen von dem Zugang zur US-Vertretung entfernt und in Gewahrsam genommen hat, nennt er sich und seine Mitstreiter „nukleare Realisten“. Realisten deshalb, so LaForge, „weil die US-Medien Verletzungen von Abrüstungsverträgen von amerikanischer Seite kaum Beachtung schenken, außer wenn jemand ins Gefängnis gesteckt wird“. Als die Blockierer aufgefordert wurden, den Platz zu räumen, erwiderten sie, sie seien „crime-stopper“. Die Polizisten sollten lieber die wahren Verdächtigen festnehmen: Die US-Regierung, die sich entschlossen weigere, ihre Verpflichtungen unter dem NVV-Regime zu erfüllen.

LaForge findet für das politische „Getue“ der amerikanischen Bomben-Befürworter harte, klare Worte. Diejenigen, die nukleare Waffen produzieren und verbreiten, seien „kriminelle Verbrecher, gefährliche Soziopathen, Mitglieder einer internationalen Terrorzelle, die permanent eine nukleare Bedrohung produzieren, die hinter einem theatralischen Schwindel namens ‚Abschreckung‘ verstecken“.  Das Recht sieht LaForge auf seiner Seite und ist sich sicher, dass seine Klage im Juni vor dem Gericht Erfolg haben wird.

Das Argument der amerikanischen Delegierten in der NVV-Debatte, die Existenz von Nuklearwaffen sei „bedauernswert, aber legal“, hebelt er mit einem simplen Gegenstandpunkt aus. Atomwaffen vereinten all das Leid, das vertraglich verbotene Mittel wie Landminen, Streubomben und Nervengas mit sich brächten – und gingen noch weit darüber hinaus. Aber, beendet er seine Analyse, „the Secretary Has No Clothes“. Gemeint ist das amerikanische Außenministerium, das blind für seine eigenen Lügen sei.

 

 

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