Pressehütte Mutlangen

Hibakusha in New Yorks Straßen

Vor der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag fand am Wochenende die traditionelle  Demonstration der Friedensbewegung in New York statt. Vor allem aus Japan waren viele Gruppen angereist, um an den 70. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki zu erinnern

Von Julia Berghofer

Der Friedensmarsch, der sich jedes Jahr Ende April mitten durch Manhattan zieht, ist schon zu einem festen Ritual vor der Konferenz zum atomaren Nichtverbreitungsvertrag (NPT) geworden. Am Wochenende vor Beginn der offiziellen Verhandlungen der Staaten kommen zahlreiche Gruppen aus unterschiedlichen Ländern zusammen, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen: Im Mittelpunkt stehen die weltweite Abrüstung von Atomwaffen, der Stop nuklearer Tests und die humanitären Folgen der Bombe.

Dieses Jahr ist alles jedoch ein wenig anders, das Profil des Friedensmarsches hat sich geschärft. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki jähren sich zum 70. Mal und auch der tragische Fall der Marshall Islands, die jahrelang von der US-Regierung als Testgrund missbraucht worden waren, hat es innerhalb weniger Monate zu einer traurigen Prominenz gebracht. Auch die Brisanz der aktuellen Weltlage sorgt für große Resonanz.

Die meisten Gruppen kommen  aus Japan. Hibakusha – Überlebende aus Hiroshima und Nagasaki – werden in Rollstühlen durch die Straßen geschoben, junge Japaner trommeln und tanzen in traditioneller Kleidung, Mädchen im Kimono halten Plakate und Banner hoch, Greise verteilen gefaltete Miniaturkraniche. Manche tragen Bilder ihrer verstorbenen Angehörigen mit sich. Vom Union Square geht es über die Third Avenue bis zu, Dag Hammarskjold-Platz vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen.

Foto: Marc Duchêne

Mehrere Tausend Leute sollen es gewesen sein, schätzt ein Polizist. Die New Yorker Polizei überhaupt: Absolut entspannt. Ein paar unterhalten sich mit den Aktivisten, der mehrere hundert Meter lange Zug wird von einer Truppe Motorrädern eskortiert. Auf der breiten Third Avenue, einer der Hauptschlagadern Manhattans, laufen die Gruppen mit ihren Bannern am Rand; in den schmaleren Querstraßen kommt der Verkehr für kurze Zeit zum erliegen, während die Aktivisten „no more Hiroshima, no more Nagasaki, no more Marshall Islands“ skandieren.

Etwa eineinhalb Stunden später, gegen spätnachmittag, kommt der Zug auf dem Dag Hammarskjold-Platz an. Um die Ecke befindet sich das Hochhaus der VN, vor dem heute, weil Sonntag ist, keine Fahnen wehen. Normalerweise ist dieser Ort für New Yorker Verhältnisse eher ruhig: Touristen flanieren, Diplomaten trinken auf dem Weg zur Arbeit im Laufen einen Kaffee to go. Heute aber vibriert der Platz förmlich. Es wird getrommelt, gesungen, Sprechchöre hängen in der Luft zwischen den Wolkenkratzern, der Platz füllt sich schnell mit Hunderten von Menschen. Im bunt-entspannten Getümmel appelliert der Bürgermeister von Hiroshima an die Staatengemeinschaft, Nuklearwaffen endlich vollends zu verbieten. Es werden Fotos gemacht, Buttons und Flyer verteilt, zur Erfrischung gibt es kalten grünen Tee.

Ein positives Signal an die am Montagmorgen startende Konferenz ist sicherlich, dass neben den zahlreichen japanischen Gruppen auch viele amerikanische Aktivisten dabei waren. So zum Beispiel Kriegsveteranen, die sich für eine entschlossene Haltung ihrer Regierung zur Abrüstung einsetzen.

Vertreter der Pressehütte auf der New Yorker Demo
Foto: Marc Duchêne

 

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